Smileys und Smilies

 

Smileys, Emoticons und Emojis

 

Was ist ein Smiley?

 

Nahezu jeder kennt die kleinen, bunten Gesichter. Doch woher kommen sie und was ist der Unterschied zwischen Smileys, Emoticons und Emojis? Ein Smiley (falsch: Smilie oder Smily) wird verwendet, um eine bestimmte Emotion zum Ausdruck zu bringen. Das Wort Emoticon setzt sich aus dem englischen Wort „emotion“ (zu Deutsch: Gefühl) und „icon“ (Symbol) und bezeichnet die bekannten Gesichter aus ASCII-Zeichen, wie beispielsweise den grinsenden Emoticon :-). Der Begriff Emoji stammt aus dem japanischen und steht für Bildschriftzeichen (Kombination der japanischen Wörter „e“ für Bild“ und „moji“ für Zeichen). Zu den Emojis zählen nicht nur Gesichter, sondern auch Gegenstände, Lebensmittel, Gebäude und eigentlich alles andere. Der erste Smiley wurde in den USA vom Werbedesigner Harvey Ball entworfen. Heutzutage begegnen sie uns in allen möglichen Formen und Farben und in den verschiedensten Medien.

Erfindung und Entwicklung

 

Alles begann 1963 in den USA, genauer in Ohio. Der damals 42 Jahre alte Harvey Ball bekam von der Versicherungsgesellschaft Guarantee Mutual Company of Ohio den Auftrag, einen Ansteckbutton für die Mitarbeiter der Versicherung zu gestalten. Dieser Ansteckbutton sollte die Stimmung in der Firma aufheitern und die Mitarbeiter zum Lachen bringen. Daraufhin zeichnete Ball auf eine gelbe Fläche einen Kreis mit einem Bogen und zwei Punkten im Inneren, und so war der grinsende Smiley geboren. Für diesen Entwurf erhielt Ball 45 Dollar, doch er machte einen Fehler und lies das Symbol nicht patentieren. Die Idee verbreitete sich schnell und der Smiley wurde auf Tassen, Textilien und viele weiter Produkte gedruckt. Doch Ball verdiente daran kein bisschen.

1971 kam der Franzose Franklin Loufrani auf die Idee, erfreuliche Nachrichten seiner Zeitung „France-Soir“ mit einem lächelnden Smiley zu versehen. Den Namen und das Aussehen ließ er sich vor der ersten Veröffentlichung, noch im Jahre 1971 rechtlich sichern. Mit der Sicherung des Smileys gründete er auch eine neue Firma, die „Smiley Licensing Corporation“. Große Firmen wie Levi‘s und Mars mussten sich an Loufrani wenden, um für bis zu 10% des Ladenpreises eine Lizenz für den beliebten Smiley zu erhalten. Als die Modedroge Ecstasy gegen Ende der 80er Jahre eine Welle Schlug und der Smiley eher mit Pillen und elektronischer Musik in Verbindung gebracht wurde, vermieden viele Firmen in Europa die Verwendung des Smileys. Doch mit dem Ende des Hypes rund um Ecstasy erholte sich die Branche des Smileys wieder.

Der Student und spätere Informatikprofessor Scott E. Fahlman kreierte 1982 aus einem Doppelpunkt, einem Bindestrich und einer geschlossenen Klammer den ersten Emoticon :-). Damit wollte er Missverständnissen bei Verwendung von Ironie in Internetforen ein Ende setzen. Für den Fall das etwas doch ernst gemeint war, erfand er noch den traurigen Emoticon mit einer offenen Klammer :-(.

Gegen Ende der 90er Jahre erfand Shigetaka Kurita, der damals bei dem japanischen Mobilfunkanbieter DoCoMo gearbeitet hat, die Emojis. Für das Projekt i-mode sollte er die kleinen Bildchen entwerfen. Mit einer Größe von gerade einmal 12×12 Pixeln und nur einer Farbe haben sie zwar nicht viel mit den, uns heute bekannten Emojis, zu tun. Die Technik der damaligen Mobiltelefone ließ allerdings nicht mehr zu. Aufgrund dieser geringen Größe unterlagen diese Bildchen dann auch nicht dem Urheberrecht und konnten deshalb von den anderen japanischen Telefongesellschaften frei genutzt werden. Dadurch wurden sie schnell und weit verbreitet.

Ein wichtiger Wegbereiter für die Emoji-Bewegung war Apple. Als Apple 2007 das erste iPhone auf den Markt brachte, war dort bereits eine Tastatur mit Smileys installiert. Diese war eher für den japanischen Markt gedacht, jedoch sprach es sich schnell herum und alle wollten die Smiley Tastatur benutzen.

Screenshot (Quelle: Apple/Hersteller)

Mit der Veröffentlichung des Unicode 6.0 im Oktober 2010 wurden die ersten Emojis auf allen Geräten eingeführt. Dank dieser Standardisierung werden die Nachrichten auf jedem Endgerät korrekt angezeigt. Das Unicode Konsortium, das über die Aufnahme neuer Schriftzeichen und Emojis entscheidet, wurde 1991 im Silicon Valley von den Firmen Apple, Microsoft, Sun und Xerox gegründet. Diese Firmen sind auch heute noch führend, der Vorsitzende und Gründer, Mark Davis, allerdings arbeitet nicht mehr bei Apple, sondern bei dem Internetgiganten Google. Im Frühjahr 2015 machte der Unicode es das erste Mal möglich, die Hautfarben einiger Emojis aus 6 verschiedenen Abstufungen zu wählen. In Kürze erscheinen mit dem Unicode 10.0 neue Schriftzeichen und Emojis für unsere Smartphones und Computer. Dann gibt es endlich den langersehnten „Kotz-Emoji“ und unter anderem beinhaltet das Update ein Schriftzeichen für die, mittlerweile sehr bekannte, Kryptowährung Bitcoin.

In WhatsApp und Facebook ist die Nutzung diverser Emojis schon lange Standard. Twitter ermöglichte im April 2014 mit einem Update, dass auch Nutzer am Desktop die Emojis nutzen konnten, die davor nur am Smartphone verfügbar waren. Seit Mai 2015 kann man bei Instagram seine Hashtags mit einem Smiley verbinden. Jedoch hat auch Facebook sich Anfang 2016 mit der Einführung der sogenannten „Reactions“ weiterentwickelt. Statt immer nur einen „Gefällt mir“-Button zu drücken, haben die Nutzer seit dem Update die Möglichkeit aus verschiedenen Gefühlen zu wählen. Es gibt die Möglichkeiten Gefällt Mir, Love, Haha, Wow, Traurig und Wütend. Mit diesen „Reactions“ kann man bei einem Post zeigen, welche Emotion dieser ausgelöst hat.

Screenshot (Quelle: Facebook)

Verwendung von Smileys, Emoticons und Emojis

 

Wie bereits erwähnt wurden Emoticons damals erfunden, um in Internetforen Ironie zu kennzeichnen. Doch heutzutage werden Smileys, Emoticons und Emojis für weitaus mehr verwendet. Sie machen es zum Beispiel möglich, Posts in diversen Foren oder auf Facebook und Twitter zu verschönern. In Textnachrichten bei Messengern ersetzen sie unsere Körpersprache und verdeutlichen unsere Stimmung. Bei einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht werden ungefähr 70% der Informationen nur mit Körpersprache und weitere 20% mit der Stimmlage übermittelt. Diese zwei Faktoren fallen allerdings bei Textnachrichten weg, weshalb man auf Emojis zurückgreift.

2015 brachte die Firma SwiftKey, die für ihre Smartphone Tastatur bekannt sind, eine Studie ans Tageslicht. In der Studie wird dargestellt, in welchen Ländern, welche Emojis am meisten, und welche am wenigsten, verwendet werden. Das weltweit am häufigsten verwendete Emoji ist der klassische, grinsende Smiley. In Deutschland werden mehr Mäuse verschickt als irgendwo anders auf der Welt. Das am meisten versendete Emoji der Deutschen ist der grinsende Smiley, wobei der am wenigsten versendete, der traurige Smiley ist. In Frankreich verschickt man vier Mal mehr Herzen als im Rest der Welt, und generell verwenden die Franzosen viel häufiger Emojis die mit der Ehe assoziiert werden, wie beispielsweise den Ehering. Die Italiener halten den ersten Platz beim Verschicken von Bananen, die offensichtlich eine sexuelle Anspielung darstellen. Auch die Amerikaner und Kanadier missbrauchen die Aubergine für eben solche Anspielungen. Den lächelnden Kothaufen verschicken am häufigsten die Vietnamesen und auch wieder die Kanadier. In Australien wird der Pillen-Emoji, welcher häufig mit Drogen in Verbindung gebracht wird, 65% öfter als vom Durchschnitt versendet. Aber auch Alkohol Smileys verwenden sie in Down Under öfter als der Durchschnitt. Ironischerweise sind die Araber Weltmeister im Verschicken von Bikini-Emojis, was in Anbetracht ihrer Bräuche und Sitten doch sehr verwunderlich ist. Die Russen sind wohl richtig aktiv beim Flirten und verschicken die meisten Liebesbrief- und Kuss-Emojis.

Das Online-Nachschlagewerk Emojipedia listet alle Emojis mit ihrem Standard Namen (nach Unicode), ihrer Bedeutung und Bildern auf. Die Seite wurde von Jeremy Burge am 14. Juli 2013 gegründet und er führt diese hauptberuflich. Sie stellt die führende Ressource zu Emojis im Internet dar und wurde im Jahr 2015 insgesamt 140 Millionen Mal aufgerufen.

Hier geht’s zur Studie von Swiftkey: Studie

 

Auswirkungen auf die Kommunikation

 

Wir Menschen kommunizieren immer mehr und mehr mit den kleinen Bildchen, für sehr viele ist es schon lange Alltag. In den USA verschickt jeder Smartphone-Nutzer durchschnittlich 96 Emojis pro Tag. In Deutschland besitzen ungefähr 50 Millionen Menschen ein Smartphone, von denen zwischen 80% und 90% auch Emojis nutzen. Nicht umsonst hat die Redaktion des Oxford Dictionaries 2015 in Großbritannien den Emoji, der vor lauter Lachen Tränen weint, zum Wort des Jahres gewählt.

Doch warum verwenden wir die bunten Gesichter so häufig? In der heutigen Zeit erhält man nahezu im Minutentakt neue Nachrichten, auf die man schnell antworten muss. Dabei bieten Emoticons einen schnellen und einfachen Weg zu kommunizieren und dabei auch noch Gefühle zu vermitteln. Denn nur knapp 10% der Kommunikation finden „face to face“ verbal statt. Den Großteil machen die Gestik und die Stimmlage aus (90% der Körpersprache). Deshalb müssen bei der Kommunikation über das Internet Emojis aushelfen. In ihnen kann man einfach und kompakt viele Informationen und Gefühle für sein Gegenüber verpacken. Allerdings sollte man dabei auch stets vorsichtig sein, denn es ist immer noch eine Interpretationssache, wie die Smileys aufgefasst werden. Ironie könnte fehlinterpretiert oder ein lachender Kothaufen als Beleidigung gesehen werden. Manche Obst- und Gemüse-Emojis sind stellvertretend für das männliche Geschlechtsteil, hierbei ist auch besonders Vorsicht geboten. Deswegen muss man aufpassen wem man, welche Emojis zukommen lässt.

Kleiner lustiger Fakt: Frauen benutzen Smileys häufiger als Männer. Jedoch steigt auch bei Männern die Nutzung von Smileys, wenn sie mit dem anderen Geschlecht kommunizieren.

 

Smileys als Marke

 

Smileys werden aber nicht nur bei der Kommunikation von Privatpersonen genutzt, auch die großen Firmen haben die auffälligen Gesichter für sich entdeckt. Bei rund 2 Milliarden Smartphone-Nutzern weltweit ist das allerdings kein Wunder. Beispielsweise konnte man 2015 bei Domino‘s Pizza in Amerika mit Emojis seine Pizza bestellen. 2014 hat Oreo in China eine App herausgebracht, verbunden mit einem Werbespot, mit der man sein Gesicht zu einem Emoji verwandeln konnte. Diesen Emoji konnte man dann mit Freunden und Familie teilen. In Puerto Rico ließ sich Coca Cola einige glückliche Emojis mit der Domainendung „.ws“ registrieren, die einen zur puerto ricanischen Internetseite von Coca Cola weitergeleitet hat. Budweiser teilte auf Twitter eine aus Emojis bestehende amerikanische Flagge, um für ihr Light-Bier zu werben.

Seit 2016 macht auch Twitter mit den Emojis große Einnahmen. Und zwar lassen sich große Firmen von Twitter „maßgeschneiderte Emojis“ erstellen. Bei der Verwendung eines bestimmten Hashtags wird dann der dazugehörige Emoji angezeigt. Für Starbucks taucht bei Verwendung des Hashtags #RedCups ihr Firmenlogo auf oder für Dove erscheint neben dem Hashtag #LoveYourCurls ihr Firmenlogo. Zum Super Bowl ließen sich auch die Firmen Pepsi und Budweiser eigene Emojis machen. Bei Budweiser ist der Hashtag #GiveADamn mit ihrer Kampagne für verantwortungsvolles Fahren verbunden und man sieht dabei eine Hand die Autoschlüssel fallen lässt. Beim Hashtag #PepsiHalftime liefert Pepsi eine Dose mit Kohlensäure und Musiknoten. Für diese speziellen Emojis wurden von den großen Firmen Beträge in Millionenhöhe an Twitter gezahlt.

Smileys und Emojis werden jedoch nicht nur für die Werbung benutzt. Mittlerweile gibt es auch schon unzählige Produkte in Smiley-Form oder mit Smileys bedruckt. Wie zum Beispiel Emoji-Kissen, -Knöpfe, -Anhänger, -Kühlschrankmagneten und vieles, vieles mehr. Auch in der Modeszene haben sich die bunten Bildchen breit gemacht. Auf diversen Taschen und Oberteilen sind sie zu finden.

Sogar in der Schmuckindustrie sind Smileys schon vertreten. Die ehemalige PR-Beraterin Helena Reich aus Deutschland kam auf die Idee Anhänger in Smiley-Form herzustellen und schloss damit eine riesige Marktlücke. Nicht nur in Deutschland sind ihre Schmuckstücke äußerst beliebt. Auch in Asien und Amerika sind die Ketten, Ringe und Armbänder von großer Beliebtheit. Die Kollektion rund um die Smiley-Anhänger nennt sie passend „Happy Faces“.

Über die Crowd-Funding Plattform „Kickstarter“ wurde die Übersetzung des Buches Moby Dick von Hermann Melville in Emoji-Form finanziert. Die fertige Version heißt „Emoji-Dick“ und kann für 40$ als Softcover, beziehungsweise 200$ als Hardcover erworben werden. Jeder einzelne Satz steht einmal im englischen Original dort geschrieben und darunter die Übersetzung in Emoji-Form.

Mit dem Film „Emoji – Der Film“ erhalten die Emojis sogar ihr Debüt im Kino. Der Film spielt in der fiktiven Stadt Textopolis, im inneren eines Smartphones. In dieser Stadt wohnen alle Emojis, welche darauf warten vom Besitzer des Smartphones ausgewählt zu werden. Jedes Emoji hat nur einen Gesichtsausdruck, außer Gene, dem Hauptcharakter des Films. Gene wurde ohne Filter geboren und hat deswegen viele verschiedene Ausdrücke. Deshalb schließt er sich mit ein paar Emojis zusammen und reist durch alle Apps auf dem Smartphone, in der Hoffnung einen Code zu finden, der sein Problem lösen kann. Dieser Film wird von Sony Pictures Animation produziert und ist natürlich an eine sehr junge Zielgruppe gerichtet. In Deutschland soll der Film am 3. August in allen Kinos erscheinen. Im Internet wird er von vielen Seiten kritisiert obwohl im Trailer einige lustige Szenen enthalten sind. Ob die Emojis dann letztendlich auch im Kino so erfolgreich sind, wie auf sozialen Netzwerken und in Messenger Apps, wird sich zeigen.

Screenshot (Quelle: PC-Magazin.de)

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